Barrierefreiheit im E-Learning: So gestalten Sie zugängliche Kurse – inkl. Checkliste
Warum wird die digitale Barrierefreiheit im E-Learning immer wichtiger?
Teams in Unternehmen werden immer vielfältiger und älter. Und damit steigen ebenfalls die Anforderungen an die digitalen Lernangebote.
Fehlende Untertitel, schwache Kontraste oder eine komplizierte Navigation machen eine Schulung für manche Lernende lediglich unbequem, für andere aber kaum oder gar nicht nutzbar.
Ein E-Learning-Kurs ist also erst dann wirklich gut, wenn ihn möglichst alle nutzen können – das heißt auch Menschen, die schlecht sehen oder hören, keine Maus bedienen können oder Deutsch als zweite Sprache sprechen.
Hinzu kommt: Seit 2025 macht das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz klarere Vorgaben für digitale Angebote.
In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, welche Anforderungen an die Barrierefreiheit im E-Learning konkret gelten und wie Sie einen solchen Kurs gestalten. Denn Zugänglichkeit hilft allen. Selbst denen, die im lauten Pausenraum ohne Kopfhörer sitzen.
Was bedeutet „barrierefreies E-Learning” eigentlich?
Barrierefreies E-Learning bedeutet, dass alle Lernenden einen Kurs wahrnehmen, bedienen und verstehen können – unabhängig von ihren körperlichen oder kognitiven Voraussetzungen.
Das betrifft mehr Ebenen, als man zunächst denkt. Zum Beispiel gehören dazu:
- Untertitel für Videos
- Alternativtexte für Bilder und Grafiken
- ausreichende Farbkontraste
- eine Bedienung, die auch ohne Maus funktioniert
- klare Überschriften und einfache Navigation
- eine verständliche Sprache
- barrierefreie PDFs und Begleitmaterialien
Vollständige Barrierefreiheit ist dabei ein Ideal, das sich in der Praxis selten zu 100 Prozent erreichen lässt. Manche sprechen deshalb lieber von barrierearmen Angeboten.
Entscheidend bleibt, dass barrierefreies Lernen nicht als Extraleistung für eine kleine Gruppe von Menschen gesehen wird, sondern eine Schulung für alle angenehmer macht.
Welche Anforderungen gelten für die digitale Barrierefreiheit in E-Learning-Kursen?
Das hängt vor allem davon ab, für wen der Kurs gedacht ist und wie er angeboten wird. Richtet er sich an Verbraucher, die ihn öffentlich buchen oder kaufen, greift seit 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Reine interne Mitarbeiterschulungen ohne Kauf- oder Buchungsvorgang fallen in der Regel nicht darunter – lohnen sich aber trotzdem.
Als Maßstab dienen überall die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) in der Stufe AA. Sie beruhen auf vier Prinzipien: Inhalte sollen wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sein. Einen offiziellen Überblick bietet die Bundesfachstelle Barrierefreiheit.
Wichtiger als die Pflicht ist aber ohnehin die Wirkung. Denn ob gefordert oder freiwillig, die Maßnahmen für eine zugängliche Schulung bleiben dieselben. Und welche das sind, zeigen wir Ihnen im nächsten Kapitel.
Barrierefreiheit im E-Learning: Welche Hürden begegnen Lernenden – und wie lassen sie sich abbauen?
Lernende stoßen vor allem an fünf Stellen auf Hürden: beim Sehen, Hören, Tippen, Lesen und Verstehen. Für jede davon gibt es Lösungen, die oft schnell umgesetzt sind und viel bewirken.
Sehen
Wer schlecht sieht, farbenblind ist oder auch einfach bei Sonnenlicht aufs Display schaut, verliert schnell den Anschluss. Starke Kontraste und eine ausreichend große, skalierbare Schrift schaffen hier Abhilfe.
Notwendig sind zudem Alternativtexte für Bilder und Grafiken. So können Screenreader vermitteln, was auf dem Bild zu sehen ist oder welche Information die Grafik transportiert.
Hören
Videos und Audios brauchen eine Alternative für Menschen, die schlecht oder gar nicht hören. Untertitel helfen dabei, gesprochene Inhalte mitzulesen – und Transkripte machen längere Audio- und Videoinhalte zusätzlich nachlesbar.
Wenn zentrale Informationen nur im Bild sichtbar sind, kann außerdem eine Audiodeskription sinnvoll sein. Sie beschreibt visuelle Inhalte, die für das Verständnis relevant sind.
Tippen
Eine barrierefreie Schulung sollte ohne Maus bedienbar sein. Das betrifft Menüs, Buttons, Quizfragen, interaktive Elemente und die gesamte Navigation.
Prüfen lässt sich das ganz einfach: Kommt man allein mit der Tab-Taste logisch durch den Kurs? Ist sichtbar, welches Element gerade ausgewählt ist? Lassen sich Aufgaben auch per Tastatur lösen?
Besonders kritisch sind Drag-and-drop-Aufgaben. Sie wirken modern, schließen aber schnell Menschen aus, die keine Maus nutzen können.
Lesen
Lange, unstrukturierte Textblöcke erschweren das Lernen. Deshalb braucht barrierefreies E-Learning eine klare Struktur.
Wer Inhalte nur überfliegt oder einen Screenreader nutzt, ist auf eine saubere Überschriften-Hierarchie, kurze Absätze und aussagekräftige Buttons und Links angewiesen. Statt „Hier klicken“ ist zum Beispiel „Checkliste herunterladen“ oder „Modul starten“ deutlich hilfreicher.
Eine gute Struktur unterstützt aber nicht nur Lernende mit Einschränkungen. Sie hilft allen, die sich schnell orientieren und die wichtigsten Inhalte auf einen Blick erfassen möchten.
Verstehen
Barrierefreiheit betrifft mehr als Technik. Auch Sprache kann eine Hürde sein – vor allem für Menschen mit kognitiven Einschränkungen ebenso wie für alle, die Deutsch als zweite Sprache sprechen.
Kurze Sätze, verständliche Erklärungen und eine direkte Ansprache helfen hier am besten.
Die sogenannte „Leichte Sprache“ ist eine stark vereinfachte Form der Standardsprache und lohnt sich vor allem, wenn sich ein Kurs gezielt an Menschen mit Lernschwierigkeiten richtet.
Barrierefreiheit-Tools im Überblick: Womit können Sie Ihr E-Learning prüfen und verbessern?
Die meisten Barrieren lassen sich mit ein paar frei verfügbaren Barrierefreiheit-Tools schnell aufspüren und beheben:
- Autorentools mit Barrierefreiheits-Funktionen: Viele gängige Programme zur Erstellung digitaler Lerninhalte wie Articulate, iSpring oder H5P bringen bereits Funktionen für Alt-Texte, Tastaturbedienung und Untertitel mit. Entscheidend ist, diese Möglichkeiten von Anfang an zu nutzen, nicht erst kurz vor Veröffentlichung.
- Kontrast- und Farbprüfer: Der WebAIM Contrast Checker zeigt in Sekunden, ob Ihre Farbkombinationen den WCAG-Vorgaben genügen. So finden Sie schwache Kontraste, bevor Ihre Lernenden darüber stolpern.
- Tools für Untertitel und Transkripte: Viele Videoplattformen, zum Beispiel YouTube oder Vimeo, können Untertitel automatisch erzeugen. Diese sollten Sie jedoch immer selbst überprüfen. Gerade bei Fachbegriffen, Abkürzungen oder Eigennamen liegt die Automatik oft daneben.
- Screenreader zum Testen: Mit dem kostenlosen NVDA Screenreader erleben Sie Ihre Schulung so, wie ihn blinde Nutzer wahrnehmen. Kein Test deckt Schwachstellen schneller auf.
- Prüftools für die Gesamtseite: Tools wie WAVE scannen eine komplette Seite auf typische Fehler, etwa fehlende Alt-Texte oder eine unklare Überschriften-Struktur.
Prüfen Sie bei einem E-Learning-Kurs aber nicht nur die Lernplattform selbst, sondern auch alle Inhalte darin – und nutzen Sie diese Tools dabei niemals als Ersatz für den eigenen prüfenden Blick.
Bei Infoport denken wir Barrierefreiheit von Anfang an mit und berücksichtigen sie in Konzeption, Design und technischer Umsetzung.
Artikel-Empfehlung
In unserem Artikel „E-Learning erstellen lassen: So läuft ein Projekt mit Infoport ab“ zeigen wir Ihnen, wie die Zusammenarbeit mit uns aussieht, damit Sie genau wissen, was Sie erwartet.
Checkliste Barrierefreiheit: Ist Ihr Kurs barrierefrei?
Sehen:
- Text und Hintergrund heben sich durch starke Kontraste ab.
- Die Schrift ist ausreichend groß und lässt sich weiter vergrößern.
- Bilder und Grafiken haben aussagekräftige Alternativtexte.
- Keine Information hängt allein an der Farbe.
Hören:
- Videos haben geprüfte Untertitel.
- Für Audioinhalte gibt es ein Transkript zum Nachlesen.
- Rein visuelle Video-Inhalte sind per Audiodeskription beschrieben.
Tippen:
- Jedes Element lässt sich per Tastatur erreichen und bedienen.
- Ein sichtbarer Fokusrahmen zeigt die aktuelle Position.
Lesen:
- Die Überschriften folgen einer sauberen Hierarchie.
- Absätze sind kurz und gut gegliedert.
- Buttons und Linktexte zeigen klar, wohin sie führen.
Verstehen:
- Die Sprache ist verständlich, mit kurzen Sätzen und einfachen Erklärungen.
- Zentrale Informationen liegen bei Bedarf in „Leichter Sprache” vor.
Wie bereits erwähnt, ist „barrierefrei“ ein Ideal. Sie müssen also nicht unbedingt jeden Punkt erfüllen – schon jede abgehakte Zeile macht Ihren Kurs inklusiver.
Artikel-Empfehlung
Zugänglich ist die eine Hälfte, motivierend die andere. In unserem Artikel „E-Learning Checkliste: Motiviert Ihr Online-Kurs?“ finden Sie eine zweite Checkliste, mit der Sie prüfen können, ob Ihr Online-Kurs Ihre Lernenden wirklich mitnimmt.
Fazit
Barrierefreiheit im E-Learning ist kein Extra für wenige, sondern besseres Lernen für alle. Wer auf Kontraste, Untertitel, eine klare Struktur und verständliche Sprache achtet, erreicht mehr Menschen und erfüllt zugleich die wachsenden gesetzlichen Anforderungen.
Nicht jede Schulung muss sofort perfekt sein. Wichtiger ist, Lerninhalte bewusster zu planen und Hürden Schritt für Schritt abzubauen.
Sie möchten barrierefreies E-Learning umsetzen?
Wir unterstützen Sie dabei, digitale Kurse von Anfang an zugänglich, verständlich und nutzerfreundlich zu gestalten.
Offene Fragen?
Was bedeutet Barrierefreiheit im E-Learning?
Barrierefreiheit im E-Learning bedeutet, dass alle Lernenden einen Kurs wahrnehmen, bedienen und verstehen können – unabhängig von körperlichen oder kognitiven Voraussetzungen.
Dazu gehören etwa Untertitel für Videos, Alternativtexte für Bilder, gute Kontraste, eine Bedienung ohne Maus und eine klare, verständliche Sprache.
Ist barrierefreies E-Learning gesetzlich vorgeschrieben?
Das kommt darauf an, für wen der Kurs gedacht ist. Richtet er sich an Verbraucher, die ihn öffentlich buchen oder kaufen, greift seit 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG).
Reine interne Mitarbeiterschulungen fallen in der Regel nicht darunter. Öffentliche Einrichtungen sind über die BITV 2.0 aber ohnehin verpflichtet – und unabhängig von dieser Pflicht lohnt sich Barrierefreiheit immer.
Welche Barrierefreiheit-Tools helfen bei zugänglichen Kursen?
Für den Anfang reichen kostenlose Standard-Tools.
Ein Kontrast-Prüfer wie der WebAIM Contrast Checker deckt schwache Farbkombinationen auf, ein Screenreader wie NVDA zeigt den Kurs aus Sicht blinder Nutzer, und Prüftools wie WAVE scannen eine komplette Seite auf typische Fehler.
Wichtig ist, diese Tools lediglich als Unterstützung zu nutzen, niemals als Ersatz für den eigenen prüfenden Blick.
Wie kann man Barrierefreiheit im E-Learning nachträglich verbessern?
Nehmen Sie sich die Schulungen vor, die viele Mitarbeitende nutzen, und prüfen Sie sie mithilfe der Checkliste aus diesem Artikel. Oft reichen schon Untertitel, bessere Kontraste und eine klarere Sprache, um spürbar mehr Menschen zu erreichen.
Sie müssen nicht alles auf einmal umbauen – jede einzelne Verbesserung zählt.
Wie unterstützt barrierefreies Lernen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen?
Barrierefreies Lernen unterstützt Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, indem es mehrere Zugänge zu Wissen schafft. Untertitel helfen bei einer Höreinschränkung, gute Kontraste bei einer Sehschwäche, und eine Bedienung ohne Maus erleichtert die Nutzung bei motorischen Einschränkungen.
Sie haben noch eine offene Frage? Dann schicken Sie uns einfach eine E-Mail und wir helfen Ihnen gerne weiter.
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