E-Learning-Standards im Vergleich: SCORM, xAPI oder cmi5?

Kurze Einführung vorab: Was sind E-Learning-Standards?

E-Learning-Standards sind gemeinsame technische Regeln für digitale Lernangebote. Sie sorgen also dafür, dass digitale Lerninhalte und Lernplattformen miteinander kommunizieren können. Zum Beispiel legen sie fest, wie ein Kurs in einem Lernmanagementsystem (LMS) startet, welche Lerndaten erfasst und wo diese gespeichert werden. So lassen sich Inhalte aus einem Autorentool in verschiedenen kompatiblen Lernplattformen bereitstellen, ohne sie für jedes System neu erstellen zu müssen.

Wer sich zum ersten Mal mit E-Learning-Standards beschäftigt, stößt schnell auf drei Begriffe: SCORM, xAPI und immer häufiger auch das neuere cmi5. Doch was bedeuten diese Begriffe überhaupt – und welcher Standard passt zu Ihrem Projekt? Genau das schauen wir uns in diesem Artikel an.

Was ist SCORM?

SCORM („Sharable Content Object Reference Model“) ist der älteste und bis heute am weitesten verbreitete E-Learning-Standard. Vereinfacht gesagt regelt er, wie ein klassischer Online-Kurs in ein LMS eingebunden wird und welche Ergebnisse er von dort zurückmeldet.

Wie funktioniert SCORM?

Ein mit einem Autorentool erstelltes E-Learning lässt sich in der Regel direkt als SCORM-Paket exportieren. Dabei handelt es sich um eine ZIP-Datei, die alle benötigten Inhalte und eine sogenannte Manifestdatei enthält. Diese beschreibt den Aufbau des Kurses, die Reihenfolge der einzelnen Einheiten und den Speicherort der enthaltenen Dateien. 

Das SCORM-Paket laden Sie anschließend einfach in Ihr LMS hoch, das anhand der Manifestdatei erkennt, wie der Kurs aufgebaut ist und dargestellt werden soll. Beim Start öffnet das LMS den Inhalt im Browser und tauscht von da an laufend Daten mit ihm aus. Je nach Umsetzung kann das System unter anderem erfassen:

Das LMS ordnet dann die Ergebnisse der jeweiligen Person zu und stellt sie zur Einsicht und Auswertung bereit.

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In unserem Artikel „E-Learning Autorentools: Unsere Top 3 im Vergleich“ stellen wir drei gängige Autorentools für die Erstellung von E-Learnings vor und zeigen, für welche Projekte sie sich eignen.

Was ist der Unterschied zwischen SCORM 1.2 und SCORM 2004?

SCORM 1.2 ist die ältere und einfacher aufgebaute, zugleich aber deutlich verbreitetere Version. SCORM 2004 erweitert sie vor allem um genauere Regeln für die Navigation und Reihenfolge innerhalb eines E-Learnings.

Der Hauptunterschied liegt darin, dass SCORM 2004 zwischen dem Abschluss eines Kurses und dem Bestehen trennt, während SCORM 1.2 beides in einem Wert zusammenfasst. Außerdem kann die 2004-Version Lernende je nach Testergebnis auf unterschiedliche Wege führen, etwa in eine Wiederholungseinheit statt ins nächste Kapitel. Dadurch lassen sich komplexere Lernpfade und detailliertere Zwischenstände abbilden.

Trotzdem exportieren die meisten Autorentools weiterhin standardmäßig im Format SCORM 1.2. Der Grund dafür ist die höhere Verlässlichkeit. Denn die komplexere Steuerungslogik von SCORM 2004 wird nicht von jedem LMS vollständig umgesetzt.

Für Sie bedeutet das: Solange Sie keine verzweigten Lernpfade oder eine getrennte Auswertung von Abschluss und Ergebnis benötigen, ist SCORM 1.2 oft die verlässlichere Wahl. Andernfalls sollten Sie vorab prüfen, ob Ihr LMS SCORM 2004 tatsächlich vollständig unterstützt.

Wann reicht SCORM aus – und wann nicht?

SCORM reicht aus, wenn Sie klassische E-Learnings in einem LMS bereitstellen und grundlegende Lernergebnisse erfassen möchten. Da nahezu alle gängigen Lernplattformen den Standard unterstützen, können Sie Ihre Online-Schulungen auch nach einem späteren Systemwechsel problemlos weiterverwenden. Kein anderer E-Learning-Standard bietet Ihnen diese Verlässlichkeit.

Was Sie mit SCORM auswerten können, ist allerdings überschaubar. Es meldet im Wesentlichen zurück, ob ein E-Learning-Kurs abgeschlossen wurde, welche Punktzahl erreicht wurde und wie lange die Bearbeitung gedauert hat. Für den Nachweis einer absolvierten Pflichtschulung reicht das aus. Möchten Sie aber herausfinden, warum ein Kurs bei Ihren Mitarbeitenden nicht funktioniert oder eine bestimmte Einheit regelmäßig abgebrochen wird, reichen diese Daten nicht.

Der Grund liegt in der technischen Funktionsweise: SCORM tauscht seine Daten über eine Schnittstelle im Browser aus. Der Kurs muss daher aus dem LMS heraus gestartet werden und während der Bearbeitung mit der Plattform verbunden bleiben. Lernen ohne stabiles Netz ist also kaum möglich – und Lernaktivitäten außerhalb des Kurses, wie in einer separaten App, einem Präsenztraining oder auf einer externen Website, bleiben unberücksichtigt.

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Was ist xAPI?

xAPI („Experience API”) gilt als Nachfolger von SCORM, verfolgt aber einen anderen Ansatz. Er erfasst nicht nur Kursergebnisse aus dem LMS, sondern nahezu jede Lernaktivität – auch außerhalb der Lernplattform.

Wie funktioniert xAPI?

xAPI speichert Lernaktivitäten als kurze Aussagen nach dem Muster „Person – Handlung – Objekt“. Ein Beispiel dafür wäre: „Anna hat das Modul Hygiene abgeschlossen.“ Diese sogenannten Statements können aus ganz unterschiedlichen Quellen stammen:

Gesammelt werden sie anschließend in einem Learning Record Store (LRS), und nicht wie bei SCORM im LMS direkt. Das LRS ist eine eigene Datenbank, die ausschließlich Lernaktivitäten speichert. Sie kann Teil Ihres LMS sein oder eigenständig daneben laufen.

Da alle Statements demselben Muster folgen, laufen die Daten aus allen Quellen im LRS in einheitlicher Form zusammen. So sehen Sie auf einen Blick, wie sich der Lernprozess einer Person über verschiedene Formate hinweg entwickelt hat.

Was ist der Unterschied zwischen SCORM und xAPI?

SCORM regelt vor allem, wie ein klassischer E-Learning-Kurs mit einem LMS kommuniziert. xAPI erfasst dagegen Lernaktivitäten aus verschiedenen Systemen und Formaten.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

xAPI ist damit nicht einfach die neuere Version von SCORM. Der Standard konzentriert sich auf die Erfassung und Übertragung von Lerndaten, regelt allein aber nicht, wie ein Online-Kurs verpackt, in ein LMS importiert und von dort gestartet wird. Beide E-Learning-Standards lösen also unterschiedliche Aufgaben.

Wann ist der Wechsel zu xAPI sinnvoll?

xAPI bietet sich vor allem an, sobald Ihre Weiterbildung über das LMS hinausgeht und Sie aus den gesammelten Daten genauere Erkenntnisse gewinnen möchten.

Typisch ist der Wechsel etwa, wenn Sie

Wie SCORM lässt sich auch xAPI bei den gängigen Autorentools oft direkt als Exportformat auswählen. Aufseiten des LMS ist der Standard jedoch noch nicht so flächendeckend und einheitlich verbreitet. Die Lernplattform benötigt dafür nämlich ein integriertes LRS oder zumindest eine Verbindung zu einem externen LRS. Einige etablierte Systeme bieten inzwischen zwar entsprechende Lösungen an, teilweise aber nur über zusätzliche Plugins oder die Anbindung an ein externes LRS.

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Was ist cmi5?

cmi5 ist eine Spezifikation, die festlegt, wie xAPI-basierte Online-Kurse über ein LMS bereitgestellt, gestartet und ausgewertet werden. Sie ergänzt xAPI dafür um verbindliche Regeln für die Kursstruktur, den Start aus der Lernplattform und die Übertragung der Ergebnisse.

Wie funktioniert cmi5?

cmi5 nutzt die Technik von xAPI und ergänzt sie um klare Vorgaben:

Für Sie bedeutet das: Sie profitieren von den umfassenden Auswertungsmöglichkeiten von xAPI und zugleich von den klaren Regeln für die Bereitstellung, den Start und die Auswertung Ihrer E-Learning-Kurse, die Sie von SCORM gewohnt sind.

Was ist der Unterschied zwischen xAPI und cmi5?

cmi5 ist keine Alternative zu xAPI, sondern ein verbindliches Regelwerk dafür. Es nutzt dieselbe Technik, schreibt aber vor, wie sie im Zusammenspiel mit einem LMS eingesetzt wird.

Denn xAPI ist bewusst flexibel gehalten. Der Standard regelt weder das Verpacken und Importieren eines Kurses in eine Lernplattform noch den Start über das LMS. cmi5 schließt diese Lücke und regelt unter anderem die Kursstruktur, die Anmeldung, den Start einer Sitzung sowie die Rückmeldung von Abschluss und Ergebnis. 

Hinzu kommt, dass cmi5 zentrale Statements verbindlich vorschreibt. Bei reinem xAPI entscheiden Sie selbst, welche Aktivitäten erfasst und wie sie benannt werden. Läuft das nicht sauber ab, sammeln Sie Daten, die sich später schwer zusammenführen lassen.

Wann lohnt sich cmi5?

cmi5 lohnt sich, wenn Sie Online-Kurse weiterhin zentral über Ihr LMS bereitstellen möchten, zugleich aber detailliertere Lerndaten benötigen, die SCORM nicht erfassen kann.

In der Praxis ist die Verfügbarkeit allerdings die größte Hürde. Die gängigen Autorentools bieten cmi5 zwar inzwischen an, auf Systemseite sieht es aber noch anders aus: Die Lernplattform muss cmi5 ausdrücklich unterstützen und über ein integriertes LRS oder eine Verbindung zu einem externen LRS verfügen. Eine allgemeine xAPI-Unterstützung genügt dafür nicht automatisch.

Für viele Organisationen ist cmi5 deshalb derzeit eher eine Zukunftsoption als die naheliegende Wahl für das nächste Projekt.

Die E-Learning-Standards SCORM vs. xAPI vs. cmi5 im direkten Vergleich

Alle drei E-Learning-Standards sorgen dafür, dass Ihre Lerninhalte und Ihre Lernplattform zusammenarbeiten. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wo Lernen stattfinden darf, wie detailliert es erfasst wird und wie viel Sie selbst festlegen müssen.

Kriterium

SCORM

xAPI

cmi5

Grundidee

Online-Kurse im LMS bereitstellen und auswerten

Lernaktivitäten aus verschiedenen Quellen erfassen

xAPI-Kurse einheitlich über ein LMS bereitstellen

Speicherort der Daten

Im LMS

In einem LRS

In einem LRS, das mit dem LMS verbunden ist

Erfasste Daten

Fest vorgegebene Werte wie Abschluss, Punktzahl und Bearbeitungszeit

Frei definierbare und sehr detaillierte Statements

Vorgeschriebene Basis-Statements plus eigene xAPI-Statements

Lernaktivitäten außerhalb des LMS

Kaum erfassbar

Systemübergreifend erfassbar

Über angebundene xAPI-Anwendungen erfassbar

Lernen ohne stabile Verbindung

Kaum möglich

Je nach Umsetzung möglich

Je nach Umsetzung möglich

Unterstützung durch LMS

Sehr weit verbreitet

Bei gängigen Systemen vorhanden, teils nur mit Erweiterung

Bisher eher selten

Kurz zusammengefasst: SCORM ist die verlässlichste Wahl, solange Lernen bei Ihnen im LMS stattfindet. xAPI bietet die größte Freiheit bei der Erfassung und Verknüpfung von Lerndaten, verlangt dafür aber die meiste Vorarbeit. Und cmi5 schließt die Lücke zwischen den beiden E-Learning-Standards, ist bisher aber am wenigsten verbreitet.

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Entscheidungshilfe: Welcher der drei E-Learning-Standards ist wann die richtige Wahl?

In der Praxis müssen Sie sich übrigens nicht dauerhaft festlegen. Viele Organisationen starten mit SCORM und erweitern ihre technische Lernumgebung, sobald detailliertere Daten oder weitere Lernformate relevant werden.

Artikel-Empfehlung

Sie suchen noch nach der passenden Lernplattform? In unserem Artikel „Moodle Hosting mit lern.link: Lernmanagement ohne IT-Hürden” zeigen wir, wie Sie Moodle ohne eigenen Serverbetrieb nutzen und schnell mit einer betreuten Cloud-Lösung starten können.

Fazit

Die hier vorgestellten E-Learning-Standards verfolgen unterschiedliche Ansätze und eignen sich daher auch für verschiedene Einsatzbereiche.

Für die meisten Organisationen ist es sinnvoll, zunächst mit SCORM zu starten. Er wird zuverlässig von nahezu jeder Lernplattform unterstützt und reicht für klassische Online-Kurse in der Regel aus. xAPI lohnt sich, sobald Lernen über das LMS hinausgeht und Sie genauer verstehen möchten, wie Ihre Inhalte genutzt werden. Und cmi5 verbindet beides, ist bisher aber nur selten unterstützt.

Sie sind unsicher, welcher Standard zu Ihrem LMS und Ihren Anforderungen passt?

Wir beraten Sie zur passenden Lösung und setzen Ihre E-Learning-Kurse im geeigneten Format um.

Offene Fragen?

E-Learning-Standards sind gemeinsame technische Regeln für digitale Lernangebote. Sie sorgen also dafür, dass digitale Lerninhalte und Lernplattformen miteinander kommunizieren können. Zum Beispiel legen sie fest, wie ein Kurs in einem Lernmanagementsystem (LMS) startet, welche Lerndaten erfasst und wo diese gespeichert werden. So lassen sich Inhalte aus einem Autorentool in verschiedenen kompatiblen Lernplattformen bereitstellen, ohne sie für jedes System neu erstellen zu müssen.

SCORM („Sharable Content Object Reference Model“) ist der älteste und bis heute am weitesten verbreitete E-Learning-Standard. Vereinfacht gesagt regelt er, wie ein klassischer Online-Kurs in ein LMS eingebunden wird und welche Ergebnisse er von dort zurückmeldet.

SCORM gilt technisch als älterer E-Learning-Standard, ist für klassische Online-Kurse im LMS allerdings weiterhin gut geeignet. 

Möchten Sie aber Lernaktivitäten außerhalb der Plattform oder detailliertere Lerndaten erfassen, stößt SCORM schnell an seine Grenzen. Dann bieten xAPI und cmi5 modernere Alternativen.

SCORM eignet sich für klassische Online-Kurse im LMS, bei denen einfache Auswertungen zu Abschluss, Ergebnis und Bearbeitungszeit ausreichen.

xAPI ist die richtige Wahl, wenn Sie auch Lernaktivitäten außerhalb der Lernplattform erfassen und detailliertere Daten auswerten möchten.

cmi5 bietet sich an, wenn der Kurs weiterhin strukturiert über das LMS gestartet, die Auswertung mithilfe von xAPI jedoch in einem LRS durchgeführt werden soll.

xAPI („Experience API”) ist der Nachfolger von SCORM und deutlich flexibler aufgebaut. Er erfasst nicht nur Kursergebnisse aus dem LMS, sondern nahezu jede Lernaktivität – auch außerhalb der Lernplattform.

cmi5 ist eine Spezifikation, die festlegt, wie xAPI-basierte Online-Kurse über ein LMS bereitgestellt, gestartet und ausgewertet werden. Der Standard ergänzt xAPI dafür um verbindliche Regeln, etwa für die Kursstruktur, den Start aus der Lernplattform und die Übertragung der Ergebnisse.

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